Band: Slut
Album: Alienation
Herkunft: Ingolstadt/München
Bandmitglieder: Christian Neuburger, Rainer Schaller, Gerd Rosenacker, Matthias Neuburger, René Arbeithuber
Klingt wie: erwachsene ARTigkeit
Slut - ein Wort das inzwischen wahrscheinlich jeder Vorschüler wöchentlich googelt und täglich Erziehern und anderen Kindern im Kindergarten an den Kopf wirft. In Teenie- und Mittzwanzigerkreisen ist es längst fest im Sprachrepertoire verankert. Doch nur wenige wissen, dass sich hinter diesem Schimpfwort auch eine Ingolstädter Band verbirgt, die inzwischen in München ansässig ist.
Mit Alienation bringen die Süddeutschen ihr inzwischen 7tes Studioalbum auf den Markt und hinterlassen wieder einmal deutliche Spuren in der deutschen Musiklandschaft. Die bisherigen Spuren lesen sich jedenfalls nicht wie die einer typischen Indierockband: 1994 gegründet, 2004 Kunstförderpreis der Stadt Ingolstadt, 2005 Antritt beim Bundesvision Song Contest für Bayern, 2006 Neuinterpretation der Dreigroschenoper von Brecht am Ingolstädter Theater.
Es lässt sich erkennen: Bei Slut handelt sich um keine Rockband, die sich eher um ihre Mario-Gomez-Gedenkfrisur kümmert, als Wert auf die Qualität ihrer Musik zu legen. Hier musiziert das Bildungsbürgertum. Dementsprechend klingt Alienation (deutsch: Entfremdung, Distanzierung) auch enorm Kopflastig. Erst bei mehrmaligem Hören entfaltet sich die komplette Wirkung des Albums wandert auch in andere Bereiche des Hörers. Entscheidend ist dabei immer die unterschwellige Melancholie, die sich getragen von Neuburgers Gesang mal mehr, mal weniger deutlich zeigt, einem aber immer das Gefühl gibt, dass es bei jedem noch irgendwo etwas aufzuarbeiten gibt. Ein Erlebnis, eine Tat, ein Verhalten oder sei es nur der nüchterne Blick auf unsere Gesellschaft, der die Entfremdung durch alle Poren rinnt. Wer die Eingängigkeit eines "Easy To Love" und "Why Porqoui?" sucht, muss schon genauer hinhören, wird dann aber reichlich belohnt.
Reichlich war im Übrigen auch das Produzentenrepertoire, das für Alienation herangezogen wurde. 5 bisherige Mitstreiter wenn es um den Sound von Slut ging wurden jeweils unterschiedliche Songs anvertraut, um die heterogene Herangehensweise, die die Songs erfordern, auch auf Platte zu bannen. Ein Album aus vielen Händen für viele Ohren sozusagen.
Wem diese heterogene Kopflastigkeit nicht zu sperrig ist oder wen sie eben gerade anfixt, der sollte sich dieses Album nicht entgehen lassen. Immerhin sind Slut seit Jahrzenten eine solide In(die)stanz in der deutschen Musiklandschaft und noch dazu ein hervorragende Live-Band.
Anspieltipps:
- Next Big Thing
- Alienation
- Deadlock
- Holy End
Melancholie, ieh: Jakob Sauerwein